{"id":879,"date":"2021-06-10T10:02:19","date_gmt":"2021-06-10T08:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/?p=879"},"modified":"2021-06-10T10:02:19","modified_gmt":"2021-06-10T08:02:19","slug":"materialknappheit-im-handwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/?p=879","title":{"rendered":"Materialknappheit im Handwerk"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Quelle: Handwerkskammer f\u00fcr Ostfriesland<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBaumaterialknappheit, exorbitant gestiegene Preise, unterbrochene Lieferketten f\u00fchren dazu, dass Betriebe Termine und Preiskalkulationen oft nicht mehr halten k\u00f6nnen\u201c, so der Pr\u00e4sident des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Hans Peter Wollseifer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Liegen diese Preissteigerungen noch in einem \u201enormalen Rahmen\u201c verglichen mit anderen Krisen? Gab es so eine Preissteigerung schon einmal?<\/strong><\/p>\n<p>Preissteigerungen in einzelnen Materialsektoren gab es auch in der Vergangenheit, aber noch nie in dieser Breite der betroffenen Materialien und Produkte. Die Knappheit zieht sich aktuell durch alle Bereiche \u2013 das geht von Holz \u00fcber Metall bis hin zu Kunststoffprodukten. Betroffen sind damit nicht nur die Bau- und Ausbauhandwerke, die die Pandemie bislang vergleichsweise gut \u00fcberstanden haben. Die aktuelle Dynamik trifft auch die Zulieferer f\u00fcr die Automobilindustrie und etwa auch das Elektrohandwerk mit einer Knappheit bei Kabeln, Chips oder aus Kunststoffen gefertigten Schaltern. Dem Malerhandwerk fehlen Styropor-D\u00e4mmstoffe genauso wie mineralische D\u00e4mmstoffe, die zum Teil aus Holz und Steinwolle hergestellt werden. Das Problem besteht auf allen Ebenen und wirkt sich derzeit massiv auf unsere Betriebe aus. Bei nicht wenigen Betrieben des Bau- und Ausbauhandwerks brennt im wahrsten Sinne des Wortes die H\u00fctte und ist diese Entwicklung inzwischen sogar bereits existenzbedrohend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Auswirkungen hat die Materialknappheit f\u00fcr Handwerksbetriebe?<\/strong><\/p>\n<p>Die Knappheit insbesondere von Baumaterialien und die damit verbundenen exorbitanten Preiserh\u00f6hungen f\u00fchren verbunden mit unterbrochenen Lieferketten dazu, dass Betriebe Termine und Preiskalkulationen nicht mehr einhalten zu k\u00f6nnen. Widersinnig an dieser Lage ist, dass es besonders die Betriebe aus dem Bau- und Ausbau betrifft, die eigentlich volle Auftragsb\u00fccher haben und gerade im vergangenen Jahr die Handwerkskonjunktur stabilisiert haben. Sie sehen sich pl\u00f6tzlich in der misslichen Lage, dass Kostenvoranschl\u00e4ge und l\u00e4ngerfristige Angebote unverschuldet zur Makulatur werden und sie Auftr\u00e4ge nicht termingerecht und preisangemessen erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Es ist f\u00fcr die Betriebe schwer, von bereits vereinbarten Festpreisen f\u00fcr Material in bestehenden Vertr\u00e4gen wieder abzukommen, sodass sie dann auf den Mehrkosten beim Einkauf von Material sitzenbleiben. Bei Neuauftr\u00e4gen werden langfristige Vertragsbindungen erschwert, weil die Betriebe ihren Kunden fast nur noch Tagespreise offerieren k\u00f6nnen. F\u00fcr die Kunden kommt es im Ergebnis zu rasanten Teuerungsraten bei Neuinstallationen, Renovierungen oder Instandsetzungen. Das ist eine Entwicklung, die weder f\u00fcr Kunden noch Betriebe angenehm und tragbar ist, und wie wir sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten noch nicht erlebt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnte noch kommen, sprich auf was m\u00fcssen sich Handwerksbetriebe einstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Manche Betriebe mit vollem Auftragsbuch mussten bereits Kurzarbeit anmelden, weil das Material einfach nicht zu beschaffen war. Auf ersten Baustellen droht wegen des Materialmangels ein Baustopp. Wenn die aktuellen Materialengp\u00e4sse nicht zeitnah aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen, bedeutet das bald den Stillstand bei Eigenheimen, Wohnungsbauprogrammen und energetischer Sanierung. Auch Insolvenzen k\u00f6nnen nicht g\u00e4nzlich ausgeschlossen werden, die dann absurderweise mehrheitlich an sich gesunde Betriebe betreffen w\u00fcrden. Hier besteht dringend und unmittelbar politischer Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was kann und sollte die Politik tun, um Abhilfe zu schaffen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik muss jetzt alle ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Hebel in Bewegung setzen, um dieser international komplexen Entwicklung auf nationaler Ebene schnell zu begegnen und entgegenzuwirken. Dazu geh\u00f6rt es f\u00fcr den Rohstoff Holz in Deutschland etwa, das Holzeinschlagsverbot in den Waldbest\u00e4nden von Bund, L\u00e4ndern und Kommunen so schnell wie m\u00f6glich einzustellen. Fallen die j\u00fcngst eingef\u00fchrten Begrenzungen wie geplant erst Ende September, steht uns das dann verarbeitete Holz erst zu Beginn des kommenden Jahres zur Verf\u00fcgung. Das ist f\u00fcr unsere Betriebe zu sp\u00e4t und wir m\u00fcssen jetzt direkt handeln. Hier steht der ZDH mit der Politik zu L\u00f6sungswegen im Dialog und setzt sich gemeinsam mit der Handwerksorganisation daf\u00fcr ein, auch die Betriebe und Vertragspartner f\u00fcr die Gesamtthematik umfassend zu sensibilisieren.Was Auftr\u00e4ge aus \u00f6ffentlicher Hand anbelangt, darf es jedenfalls keinesfalls dazu kommen, dass Handwerksbetriebe zus\u00e4tzlich mit Vertragssanktionen belegt werden, wenn sie aufgrund der aktuellen und akuten Materialengp\u00e4sse in Leistungsverzug geraten. Da hat die \u00f6ffentliche Hand eine wichtige Vorbildfunktion, an der sich dann hoffentlich auch private Bauherren orientieren. Wir pr\u00fcfen zudem gerade, ob und inwieweit Preisgleitklauseln problementsch\u00e4rfend genutzt werden k\u00f6nnen und die \u00f6ffentliche Hand als Auftraggeber zus\u00e4tzliche Preisspielr\u00e4ume er\u00f6ffnen muss.Auf l\u00e4ngere Sicht hin ist davon auszugehen, dass sich der Markt ab einem bestimmten Zeitpunkt zwar wieder beruhigen wird. Es besteht allerdings die Gefahr, dass das aktuell gestiegene Preisniveau sich nach einem R\u00fcckgang in manchen Bereichen auf einem h\u00f6heren Niveau stabilisiert als vor der Entwicklung. Auch das w\u00fcrde Auswirkungen auf die Handwerkskonjunktur haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welchen Tipp\/Tipps haben Sie f\u00fcr Handwerksbetriebe, um m\u00f6glichst unbeschadet aus der Krise zu kommen?<\/strong><\/p>\n<p>Sinnvoll ist es, seine Vertragspartner und Kunden direkt anzusprechen und daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass die aktuelle Entwicklung f\u00fcr den Moment Investitionen erschwert. Auftraggeber m\u00fcssen verl\u00e4ngerte Lieferzeiten einkalkulieren und zum Teil auch Teuerungen in Kauf nehmen. Und zwar nicht, weil ein Betrieb pl\u00f6tzlich seinen Gewinn maximieren will, sondern weil es f\u00fcr ihn derzeit keinen anderen Weg gibt, die Preissteigerungen durch Preisanpassungen zu kompensieren. F\u00fcr bestehende Vertr\u00e4ge k\u00f6nnen sich die Vertragspartner m\u00f6glicherweise auf eine Nachverhandlung verst\u00e4ndigen. Betriebe sollten sich dar\u00fcber hinaus \u00fcber langfristige Vertragsbindungen und Preiskalkulationen informieren. Die Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Innungen vor Ort unterst\u00fctzen sie dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: Handwerkskammer f\u00fcr Ostfriesland &nbsp; \u201eBaumaterialknappheit, exorbitant gestiegene Preise, unterbrochene Lieferketten f\u00fchren dazu, dass Betriebe Termine und Preiskalkulationen oft nicht mehr halten k\u00f6nnen\u201c, so der Pr\u00e4sident des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Hans Peter Wollseifer. &nbsp; Liegen diese Preissteigerungen noch in einem \u201enormalen Rahmen\u201c verglichen mit anderen Krisen? Gab es so eine Preissteigerung schon einmal? [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":787,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_options":[]},"categories":[1],"tags":[8,15,16,7,13,10,12,9,11,14,17],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/M4.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9E2V7-eb","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=879"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":880,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions\/880"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.koehn-daecher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}